Wie fühlt sich ein Beruf an, in dem jede Entscheidung öffentlich bewertet wird? Michael Oenning, geboren 1965 in Coesfeld und im Münsterland aufgewachsen, weiß es aus eigener Erfahrung. Als Cheftrainer führte er den 1. FC Nürnberg 2009 in die Bundesliga. Später trainierte er den Hamburger SV und verantwortete Mannschaften in Deutschland, Ungarn, Griechenland und Österreich.
Vom Lehramtsstudium zum Trainer
Bevor Oenning auf Trainerbänken saß, studierte er Deutsch und Sport auf Lehramt. Er arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter und als Verbandssportlehrer. Im Nachwuchsbereich des DFB betreute er die U18- und U20-Auswahlen. Hinzu kamen Stationen als Trainer der U19 des VfL Bochum und als Co-Trainer beim VfL Wolfsburg (2005). Dort lernte er früh, wie man Spieler entwickelt, Haltung vermittelt und Menschen in schwierigen Phasen führt.
Bundesliga: Aufstieg mit Nürnberg, Verantwortung in Hamburg
Beim 1. FC Nürnberg rückte Oenning vom Co-Trainer zum Cheftrainer auf. In der Relegation 2009 setzte sich der Club gegen Energie Cottbus durch und stieg in die Bundesliga auf. Danach arbeitete er beim Hamburger SV, zunächst als Co-Trainer, ab März 2011 als Cheftrainer. Die Zeit in Hamburg dauerte nur sechs Monate, doch auch solche Erfahrungen prägen einen Trainer.
Internationale Stationen und Abstiegskampf
Weitere Stationen führten Oenning zu Vasas Budapest, zum 1. FC Magdeburg, den er im November 2018 mitten im Abstiegskampf der 2. Bundesliga übernahm, sowie zu Aris Thessaloniki, Újpest Budapest und dem FC Wacker Innsbruck. Mit Újpest gewann er den ungarischen Pokal (Magyar Kupa 2020/21). 2025 arbeitete er als Co-Trainer bei Persepolis FC. Über viele Jahre lernte Oenning den Profifußball so aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und Fußballkulturen kennen.
Warum Michael Oenning über den härtesten Job im Profifußball schreibt
Über Profifußball wird meist in Ergebnissen, Tabellenplätzen und Trainerentlassungen gesprochen. Michael Oenning hat diese Momente selbst erlebt: beim Aufstieg mit dem 1. FC Nürnberg, als Bundesliga-Cheftrainer in Hamburg, im Abstiegskampf mit dem 1. FC Magdeburg und an Stationen in Ungarn, Griechenland und Österreich. Was hinter einer einzigen Aufstellung steckt, kennt er aus Kabine und Trainerbüro: Konflikte in der Mannschaft, Mediengerüchte, Berater, Vereinsinteressen und die Einsamkeit nach einer Entscheidung, die Millionen Menschen beurteilen. Daraus hat er keine Autobiografie gemacht, sondern einen Roman.
„ATTA – 13 Tage ohne Applaus” begleitet einen Trainer, der führen muss, während hinter den Kulissen längst über seine Zukunft gesprochen wird. Wie es für ihn ausgeht, entscheidet sich in der 93. Minute des Derbys.