Vom Turnen zum Hochsprung
Heike Henkel wurde am 5. Mai 1964 als Heike Redetzky in Kiel-Ellerbek geboren. Ihre sportliche Laufbahn begann nicht im Hochsprung, sondern im Turnen: Im Ellerbeker Turnverein trainierte sie jahrelang, bevor sie beim TSV Kronshagen zur Leichtathletik wechselte. Als Vierzehnjährige probierte sie sich zum ersten Mal am Hochsprung aus – und blieb dabei. 1980 gewann sie ihren ersten deutschen Jugendmeistertitel; 1984 gelang ihr bei den Deutschen Meisterschaften der Sieg gegen die favorisierte Ulrike Meyfarth, kurz darauf startete sie bei den Olympischen Spielen in Los Angeles.
Aufstieg zur Weltspitze
1985 wechselte Henkel zu Bayer Leverkusen, wo sie unter Trainer Gerd Osenberg – zuvor selbst Trainer von Ulrike Meyfarth – neben dem Sport ihr Abitur nachholte und anschließend ein Grafikdesignstudium in Köln begann, das sie als Diplom-Designerin abschloss. 1988 gewann sie bei den Halleneuropameisterschaften in Budapest ihre erste internationale Medaille. Den Durchbruch an die absolute Weltspitze schaffte sie zu Beginn der 1990er-Jahre: 1990 wurde sie Europameisterin, 1991 Weltmeisterin und 1992 gewann sie bei den Olympischen Spielen in Barcelona die Goldmedaille – als bislang einzige Hochspringerin, die alle drei Titel in drei aufeinanderfolgenden Jahren errang. Im selben Jahr wurde sie zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt. Ihre persönliche Bestleistung von 2,05 Metern im Freien und 2,07 Metern in der Halle hielt lange Zeit als Hallenweltrekord.
Von der Hochspringerin zur Mentaltrainerin
Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere blieb Heike Henkel dem Sport als gefragte Expertin verbunden: Sie kommentierte, schrieb Kolumnen und hielt erste Vorträge – unter anderem für Tupperware, BMW und die Allianz Versicherung. Mit fünfzig Jahren ließ sie sich am IST-Institut in Düsseldorf zur Sport-Mentaltrainerin ausbilden und coacht seither neben Athlet:innen auch Führungskräfte in den Bereichen mentale Stärke und Gesundheit. 2018 veröffentlichte sie gemeinsam mit der Sportpsychologin Anke Precht das Buch Entfessle dich – Wie du aus dir machst, was in dir steckt über mentale Stärke im Spitzensport und im Alltag.
Engagement über den Sport hinaus
Heute setzt sich Heike Henkel als Vorstandsmitglied der Deutschen Osteopathie-Stiftung und als Botschafterin des Verbands der Osteopathen Deutschland (VOD) für das Thema Osteopathie ein – eine Methode, die ihr nach eigener Erfahrung während einer Schwangerschaft geholfen hat. Außerdem engagiert sie sich öffentlich für das Thema Osteoporose-Früherkennung.
Zwei Seiten einer Medaille: Was der Spitzensport fürs Arbeitsleben lehrt
Für Heike Henkel ist Heike und Heike – Zwei Seiten einer Medaille kein klassischer Ratgeber, sondern eine erzählte Begegnung zweier Karrieren: ihrer eigenen im Hochsprung und der von Heike Drechsler im Weitsprung – zusammen sechs olympische Medaillen, geprägt von zwei völlig unterschiedlichen sportlichen und gesellschaftlichen Systemen. Wie schon in ihrer Arbeit als Mentaltrainerin und Keynote-Speakerin geht es ihr dabei nicht um fertige Lektionen, sondern darum, dass Leser:innen aus den Geschichten selbst ihre Schlüsse ziehen: über Fokus und Disziplin auf dem Weg an die Weltspitze, über den Umgang mit Rückschlägen und Verletzungen, über Vertrauen im Team – und darüber, wie sich der olympische Gedanke auch in Führung, Veränderung und Zusammenarbeit wiederfindet.


